Asif Shwartz Yassour_web

 

Eröffnung: Fr. 25.04.2014  –  19 Uhr
Ausstellung: 26.04. – 11.05.2014 – Do-So  15-19 Uhr

Die Stadt ist verführerisch und spannend, zieht mich an, ich habe mich in sie verliebt. Aber die Integrationsschwierigkeiten, die mir begegnen, scheinen eine unsichtbare Barriere zu sein und mich von meinem Ziel abzuhalten. Ich verlaufe mich in diesem zauberhaften Labyrinth und suche, durch eine dauerhafte Auseinandersetzung mit dem Thema “Fremdsein” in meinen künstlerischen Arbeiten, einen Weg für mich zu finden.

Krankheit ist ein weiteres Thema was mich beschäftigt. Sie hat etwas Romantisches. Sie ist so verführerisch und erweckt Neugier. Diese Tatsache hat mich auch schon immer fasziniert. Mit 16 wurde bei mir eine Magenkrankheit diagnostiziert. Ich fühlte so, als hätte sich mein Körper in eine große fleischfressende Blume verwandelt,  die meine Seele verführt und auffrisst, und ich kann davon nicht weg, kann es nicht ignorieren. Ab irgendeinem Zeitpunkt habe ich angefangen mit der Krankheit eine Beziehung aufzunehmen: sie nützt mich aus und ich nütze sie auch aus. Die Krankheit hatte einen großen Einfluss auf meine Entscheidung, Künstlerin werden zu wollen. Während der Zeit,  die ich im Krankenhaus verbringen musste, habe ich zu Stricken begonnen. Ich habe viel gestrickt; es wurde zu einer meditativen Tätigkeit, wie ich sie noch von meiner Oma und Mutter kenne.

In den Gefühlen des Fremdseins und der Krankheit erlebe ich vieles Gemeinsames, was man mit Hilflosigkeit, Isolation und Instabilität umschreiben kann. Bedrängnis führt dich bisweilen zu einer künstlerischen Herausforderung.

Das Stricken wurde in den letzten Jahren ein fester Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit. Ich liebe das Gefühl der Erzeugung – die Skulptur, vom einfachen Wollfaden zu der gestalteten Form. Ich liebe die meditative Handlung, die unendlichen Knoten. Ich liebe auch die Verknüpfheit zu der weiblichen Welt, zu meiner Mutter und Großmutter, zu meinem Zuhause. Ich liebe den Rohstoff, die Wolle, dessen Wärme im Gegensatz zur Kälte der Stricknadeln steht. Und so habe ich weiterhin Skulpturen gestrickt, trotz oder vielleicht dank der ungewöhnlichen künstlerischen Technik.

Als jüdische Israelin in Deutschland ist mit dem Umzug das Thema meines Judentums vorrangiger geworden. Ich bin nicht traditionell gläubig, aber durch die sehr konkrete Geschichte hier in der Stadt, fühle ich mich plötzlich als ein Teil dieser Welt, die für mich bisher noch nie von solcher Bedeutung war.  Aus jüdischer Sicht ist die Menstruation der Frau unrein. Die Frau darf mit ihrem Mann während dieser Zeit keinen Intimkontakt haben. Genau dieser Punkt in der weiblichen Welt, der sowohl verführerisch als auch gefährlich ist, unrein, abschreckend und gleichzeitig natürlich und physiologisch, ist für mich eine Herausforderung und interessiert mich in meiner künstlerischen Arbeit.

Ich arbeite oft über das Thema „Weiblichkeit“. Ich empfinde weibliche Kräfte als verführerisch, anziehend und hypnotisierend, jedoch auch als gefährlich und bissig. Fleischfressende Pflanzen und Schwarze Löcher geben mir Inspiration.

Dieser Dualismus zeigt sich in meinen Skulpturen: optisch sind sie farbenfreudig und ansprechend, sodass der Besucher sich nähern möchte, um sie von der Nähe zu betrachten. Er kann sich in das Material sowie auch in die Farbigkeit und Form verlieben. Dann jedoch erzeugen die Namen der Skulpturen, die Anordnung im Raum und die Gesamtansicht Angst und Abscheu.

„Ihre Skulpturen und Zeichnungen nehmen die Form von vielfarbige Zellstrukturen und organähnlichen Formen an, und sehen fast aus, als ob sie schwerelos im Fluid – oder in der Luft  – schweben.  Asif arbeitet in ihren Zeichnungen und Collagen mit einer spontanen Kritzel-Technik, um das Unterbewusste in ihre Werke einfließen zu lassen.“ (A. Levine)

Asif Shwartz Yassour ist 1986 in Israel geboren. Im Jahr 2011, zwei Monate nach ihrem Studienabschluss an der „Bezalel Academy of Arts and Design“ Jerusalem, ist sie nach Berlin gezogen.