Oliver Orthuber
ENTROPISCHE BLICKE

Oliver Orthuber: Montenegroische Spielereien. 2026, Mischtechnik
04.09.
Eröffnung: Fr 04.09.2026 • 18 Uhr
Öffnungszeiten: Sa 05.09. • 16 – 22 Uhr / So 06.09 • 14 – 20 Uhr
Programm:
Fr 04.09. • 20 Uhr – Chris Pitsiokos – Saxophon • Antti Virtaranta – Kontrabass • Lorena Izquierdo – Voice,
Sa 05.09. • 19 – 22 Uhr – Antti Virtaranta – Kontrabass (mehrere 20 min. Sets)
So 06.09. • 16 – 20 Uhr – Schappy – Electronics (mehrere 20 min. Sets)
Live-Painting: Oliver Orthuber
english below
Im Zentrum der Ausstellung steht eine großformatige Leinwand aus Oliver Orthubers Werkzyklus „Entropische Welten“. Das etwa 7,5 Meter lange und 2,15 Meter hohe Bild entstand ursprünglich im Rahmen einer öffentlichen Live-Malaktion. Nach seiner Fertigstellung wurde das Werk jedoch nicht als abgeschlossenes Bild verstanden, sondern einem weiteren Prozess überlassen: Besucher konnten mithilfe von Schablonen Ausschnitte auswählen, die anschließend aus der Leinwand herausgeschnitten wurden.
Aus dem ursprünglichen Bild entstand so ein verändertes, durchlöchertes Bild – und zugleich eine Sammlung neuer, eigenständiger Arbeiten. Das Werk wurde durch seine Zerlegung nicht beendet, sondern verändert und erweitert.
Für „Entropische Blicke“ wird diese Leinwand erneut transformiert. Sie wird in der Mitte der Zwitschermaschine zu einem quadratischen „Raum im Raum“ gefaltet. Das ursprünglich lineare, großformatige Bild wird dadurch zu einer räumlichen geometrischen Struktur. Die Öffnungen, die ursprünglich als Ausschnitte aus dem Bild entstanden sind, werden nun zu Durchblicken. Was zuvor aus dem Bild herausgelöst wurde, bestimmt jetzt die Wahrnehmung des Raumes.
Der Innenraum des Quadrats bildet dabei eine Bühne für die Musiker. Während der musikalischen Performances befinden sie sich innerhalb der Struktur und werden durch die Öffnungen der Leinwand für das Publikum nur ausschnitthaft sichtbar. Die Besucher bleiben außerhalb des Quadrats und können sich um die Struktur herum und an ihr entlang bewegen.
Das Bild wird dadurch nicht mehr aus einer festen Position betrachtet, sondern aus wechselnden Perspektiven erlebt. Innen und außen, Bild und Raum, Fragment und Ganzes beginnen ineinander überzugehen. Jeder Standort erzeugt einen anderen Blick durch die Öffnungen und damit eine andere Konstellation von Bild, Körper und Umgebung. Das Quadrat wird dabei selbst zu einem optischen Apparat: Es erzeugt aus unterschiedlichen Standpunkten immer neue Ausschnitte und damit neue Bilder.
„Entropische Blicke“ versteht sich als Weiterführung des Zyklus „Entropische Welten“. Entropie bezeichnet hier einen Prozess der Auflösung und Umwandlung: Ein ursprüngliches Ganzes zerfällt in Teile, die wiederum neue Zusammenhänge bilden können. Das Werk verliert dabei seine ursprüngliche Geschlossenheit, gewinnt aber neue Möglichkeiten der Wahrnehmung.
Ergänzt wird die zentrale Rauminstallation durch gerahmte Arbeiten aus dem Zyklus „Copy | Sample | Remix“.
An den drei Abenden wird die Ausstellung durch Musik und eine Live-Malaktion erweitert. In einer etwa einstündigen, bewusst reduzierten Malperformance entsteht eine neue Arbeit. Auch hier können die Besucher anschließend Ausschnitte auswählen und damit erneut in den Entstehungsprozess des Werkes eingreifen.
Während der Performance spielen die Musiker innerhalb der großen Leinwandstruktur. Durch die vorhandenen Öffnungen werden sie für das Publikum nur ausschnitthaft sichtbar. Eine Kamera überträgt das Geschehen live per Beamer in die Fensterfront der Galerie. Das Geschehen im Inneren des Quadrats wird dadurch erneut aus seinem räumlichen Zusammenhang herausgelöst und als Bild nach außen übertragen. Malprozess, Musiker, Publikum und Raum werden zu unterschiedlichen Ebenen eines gemeinsamen Bildes.
So verbindet „Entropische Blicke“ Installation, Malerei, Fragmentierung, Performance und Musik. Im Mittelpunkt steht die Frage, was geschieht, wenn ein Bild seine ursprüngliche Begrenzung verliert – wenn aus einem geschlossenen Bild ein Raum wird, aus seinen Ausschnitten neue Bilder entstehen und aus der Veränderung des Ganzen neue Räume und neue Blicke hervorgehen.

At the centre of the exhibition is a large-format canvas from Oliver Orthuber’s series ‘Entropic Worlds’. The painting, which is approximately 7.5 metres long and 2.15 metres high, was originally created as part of a public live painting event. However, upon its completion, the work was not regarded as a finished painting, but was left to undergo a further process: visitors were able to use stencils to select sections, which were then cut out of the canvas.
The original painting thus gave rise to an altered, perforated image – and, at the same time, a collection of new, independent works. The work was not concluded by its deconstruction, but rather transformed and expanded.
For ‘Entropic Views’, this canvas is transformed once again. It is folded in the centre of the Zwitschermaschine to form a square ‘space within a space’. The originally linear, large-format painting is thereby transformed into a spatial geometric structure. The openings, which were originally created as sections cut out of the painting, now become vistas. What was previously detached from the image now determines the perception of the space.
The interior of the square forms a stage for the musicians. During the musical performances, they are situated within the structure and are only partially visible to the audience through the openings in the canvas. Visitors remain outside the square and can move around and along the structure.
As a result, the image is no longer viewed from a fixed position, but experienced from shifting perspectives. Inside and outside, image and space, fragment and whole begin to merge into one another. Each vantage point creates a different view through the openings and thus a different constellation of image, body and surroundings. The square itself becomes an optical apparatus: from different vantage points, it constantly generates new sections and thus new images.
“Entropic Views” is conceived as a continuation of the series “Entropic Worlds”. Here, entropy denotes a process of dissolution and transformation: an original whole breaks down into parts, which in turn can form new connections. In the process, the work loses its original cohesion but gains new possibilities of perception.
The central room installation is complemented by framed works from the series ‘Copy | Sample | Remix’.
On the three evenings, the exhibition will be enhanced by music and a live painting event. A new work will emerge during a deliberately minimalist painting performance lasting around one hour. Here, too, visitors can subsequently select sections and thereby intervene once more in the work’s creative process.
During the performance, the musicians play within the large canvas structure. Through the existing openings, they are only partially visible to the audience. A camera transmits the action live via a projector onto the gallery’s window front. The events inside the square are thereby once again detached from their spatial context and transmitted outwards as an image. The painting process, the musicians, the audience and the space become different layers of a shared image.
In this way, ‘Entropic Views’ combines installation, painting, fragmentation, performance and music. At its heart lies the question of what happens when an image loses its original boundaries – when a closed image becomes a space, new images emerge from its fragments, and new spaces and new perspectives arise from the transformation of the whole.